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auf aktuelle politische Entscheidungen.
Anrede,
vielen Dank für Ihr Mail, in dem Sie sich gegen eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken in Deutschland aussprechen./p>
Für Ihre Sorge habe ich grundsätzlich Verständnis. Aus diesem Grund bin ich der Auffassung, dass die Laufzeitzeiten von Kernkraftwerken einer Beschränkung unterliegen sollten.
Zurecht weisen Sie auf die wachsende Bedeutung der erneuerbaren Energien und den steigenden Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung in Deutschland hin. Dieser positive Trend soll auch weiter fortgesetzt und verstärkt werden. Das Ziel der Bundesregierung ist es, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 auf 20 % zu erhöhen. Dieses Ziel wird auch von mir unterstützt.
Wie Sie sicherlich wissen, haben CDU, CSU und FDP in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen, die Laufzeit der Kernkraftwerke in Deutschland zu verlängern. Wir halten dies energiepolitisch für notwendig, da die Kernenergie mit etwa 45 % zur Grundlaststromversorgung beiträgt und damit eine wichtige Rolle spielt, um einen steigenden Anteil erneuerbarer Energien sicher in das vorhandene Stromnetz zu integrieren. Die Grundlaststromversorgung ist die permanent benötigte Leistung im Stromversorgungssystem, die wegen fehlender Speicherungsmöglichkeit nicht durch den Einsatz von Wind- oder Solarenergie ersetzt und abgedeckt werden kann.
Kernenergie sorgt heute gemeinsam mit Kohle dafür, dass die Grundlast der Stromversorgung zu akzeptablen Erzeugungskosten abgedeckt wird. Neben den deutschen Industrieunternehmen profitieren auch die privaten Verbraucher von einer wirtschaftlich effizienten Erzeugungsstruktur. Im Hinblick auf eine CO2-arme Stromversorgung, eine hohe Verfügbarkeit und Grundlastfähigkeit und geringe Erzeugungskosten sind gleichwertige Alternativen zur Kernenergie auf absehbare Zeit nicht in Sicht. So weisen CO2-arme Stromerzeugungstechniken - wie die erneuerbaren Energien - schwankende Verfügbarkeiten auf (Wind, Sonne). Zudem würde ein Ersatz der Kernenergie durch ebenso grundlastfähige und akzeptable Energiepreise ermöglichende Energieträger, wie Kohle und Gas, zu steigenden CO2-Emissionen und einer steigenden Importabhängigkeit beim Gas führen.
Zwischen konventionellen Energieträgern und erneuerbaren Energien besteht so lange ein notwendiger Zusammenhang, wie es an der erforderlichen Speicherungsmöglichkeit und Netzkapazität fehlt, um immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien, insbesondere aus Windkraft und Photovoltaik, in das bestehende Netz sicher einspeisen und ein stabiles Stromnetz garantieren zu können. Unabhängig davon werden zur Zeit große Anstrengungen unternommen, um die Netzinfrastruktur an einen steigenden Anteil Erneuerbarer anzupassen; dies gilt insbesondere für die Anbindung von im Bau befindlichen bzw. geplanten Offshore-Windanlagen.
Bei der Diskussion um die Zukunft unserer Energieversorgung sollte man realistischerweise bedenken, dass man nicht alles zugleich haben kann: Günstige Strompreise, eine sichere und funktionierende Stromversorgung, einen besseren Klimaschutz, eine Verringerung unserer Importabhängigkeit beim Gas (insbesondere von Russland), einen möglichst hohen Anteil an erneuerbaren Energien, den vollständigen Verzicht auf die Kernenergie und einen allseits, d.h. von betroffenen Anwohnern akzeptierten Zubau von leistungsstarken Windrädern und geruchsintensiven Biogasanlagen.
Um im Sinne aller Verbraucher auch weiterhin eine möglichst günstige Stromversorgung zu garantieren und zugleich die klimaschädigenden CO2-Emissionen weiter zu verringern, hat sich die Bundesregierung entschlossen, die modernen Kernkraftwerke eine Zeit lang weiter zu betreiben, um einen sicheren Übergang in ein Zeitalter der erneuerbaren Energien zu ermöglichen. Dabei wollen wir erreichen, dass ein Teil der hierbei von den Energieversorgungsunternehmen erzielten Gewinnen in die erneuerbaren Energien investiert wird. Deshalb werden wir innerhalb dieses Jahres ein umfassendes Energiekonzept erarbeiten, mit dem wir unsere Energieversorgung auf eine moderne und verantwortungsvolle Grundlage stellen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Peter Hintze