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Tour durch Deutschland

Tourblog aus Köln

Köln, 9. September 2009

Die FDP dreht und windet sich

Wenn man liberal als Synonym für flexibel versteht passt es wieder: Die FDP bekennt sich in Köln für den Ausstieg aus der Atomenergie – Und der Rest ist Rhetorik. Schlaglichter auf die Diskussionsrunde in Köln.

Alle fünf Parteien sind vertreten: CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke diskutieren am Kölner Neumarkt über Sinn und Unsinn von Atomenergie, Endlagerproblematik und die Informationspolitik bei Angelegenheiten von großer Strahlkraft.

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Die CDU legt vor: Wo so lange so teuer gebohrt wurde wie in Gorleben, da solle doch bitte auch zuerst zuende gebohrt werden dürfen, meint Unionsmann Michael Paul. Ausgerechnet heute war Gorleben jedoch wieder konkretes Thema in vielen Nachrichtenblättern: Schon 1983 warnten Wissenschaftler demnach vor Gorleben als atomarem Endlagerstandort. Die Regierung Kohl sorgte jedoch offenbar für den richtigen Dreh - und ließ das Gutachten schönen. Alles halb so wild, sagt Paul: Es kommt demnach immer auf die Studie an. Dass ein Endlager Gorleben sicher ist, sei aus ebenso vielen hervorgegangen.

Michael Paul hat Glück: Klaus der Geiger, alternatives Kölner Kulturgut mit musikalisch-scharfer Zunge, hatte das Publikum auf eine hitzige Debatte eingestimmt. Dementsprechend unbegeistert reagierten die umstehenden Atomgegner auch auf die Äußerungen des CDU-Manns. Zumal der hinterherschob, die technischen Probleme im Pannen-AKW Krümmel würden erstens in jedem Atomkraftwerk vorkommen und zweitens gerade ein Beweis für die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke sein – schließlich sei ja nichts passiert.

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Man könnte meinen, jetzt wäre der geeignete Auftritt für SPD-Mann Martin Dörmann. Der hinterließ jedoch einen verhältnismäßig blassen Eindruck. Denn es stand ja auch noch die FDP am Tisch.

Alexander Vogel wurde in den Ring geschickt. Und versuchte sich an einer Pirouette über den Atomausstieg(mit Wenn und mit Aber). Die FDP ist nämlich sehr wohl für den Atomausstieg, so Vogel. Die FDP freue sich sehr wohl über den raschen Ausbau der Eneuerbaren Energien. Die FDP wolle sich aber auch ein Sicherheitstürchen offen lassen – und den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken grundsätzlich ermöglichen. Wie weit dieses Türchen offen gelassen werden soll, mag leider auch Vogel nicht so genau auf den Punkt zu bringen. Nur eins sei klar: Die FDP braucht so viele Stimmen wie möglich, damit sie der CDU sagen kann, wo es langgeht.

Dagegen stimmten vor allem Oliver Krischer von den Grünen und Ulla Lötzer von der Linken ein Gegenkonzert an – untermalt vom zustimmenden Raunen und Rufen aus dem Publikum. Gekabbelt und gebrabbelt wurde in Köln ordentlich – vor allem dort, wo das Mikrophon jeweils nicht war, egal ob auf dem Podium oder nicht. Klaus dem Geiger hat es vermutlich des öfteren bedrohlich im Bogen gezuckt.

Medienberichte zur Aktion:

Köln, 9. September 2009

Die Kölner suchen sich jeck

Ein großartiger Start in die zweite Hälfte der Endlagersuche: Etwa 300 Leute sind gekommen um Köln in Sachen atomare Abfallwirtschaft unter die Lupe zu nehmen. Nach einem heißen und sonnigen Tag überrascht das Ergebnis allerdings kaum: Auch hier ist kein geeigneter Ort für den Atommüll-Endlager zu finden.

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Der große Erfolg der Anti-Atom-Bewegung am vergangenen Wochenende in Berlin wirkt in Köln noch deutlich nach. Viele Atomgegner aus Köln waren auch bei den Protesten in der Hauptstadt mit dabei. Warum die Tour überhaupt noch weitergehen muss nach diesem Auftritt der Anti-Atom-Bewegung, fragt jemand in die Runde. Die Antwort der freiwilligen Atom-Wissenschaftler ist ebenso deutlich wie enthusiatisch: Weil die Debatte weitergeführt werden muss, weiter Druck aufgebaut werden muss für das Festhalten am Atomausstieg, weil die Endlagerfrage durchs Land getragen werden soll.

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Am Eifelplatz werden die Demonstranten wieder ausgestattet mit Strahlenschutzanzügen, Geiger-Zählern, anderer "wissenschaftlicher" Ausstattung, Plakaten und Transparenten. Das Sonderkommando der Atomforscher legt sich in Köln außerordentlich ins Zeug: Auf dem Weg zum zentralen Neumarkt werden Büdchen und Geschäfte gründlich auf Endlagertauglichkeit inspiziert. Passanten werden gebeten, Atommüll bei sich zu Hause einzulagern. Die großen Atommüllfässer werden testweise in Straßenbahnen und Telefonzellen gerollt – bleiben können sie dort allerdings nicht. Vom Container für Bauschutt bis zur Mülltonne in der Einfahrt: Kein Platz für den Müll aus AKWs. Die zufällig kreuzenden Kölner finden das alles zwar ein wenig jeck, lassen sich aber mit viel Neugier und Spaß irritieren. Und empfehlen, doch lieber Düsseldorf als Endlager in Erwägung zu ziehen.

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Nach dem rund zwei Kilometer langen Demonstrationszug durch die Stadt steht fest: Kein Ort, nirgends für die Ladung des Castor-Transports. Auch die große Probebohrung am Neumarkt bringt nur zu Tage, dass sich der Kölner Untergrund nicht eignet als Atommüll-Endlager.

Während in Köln die zweite Hälfte der Endlagersuche fulminant und sympathisch beginnt, macht Gorleben wieder Schlagzeilen - diesmal mit geschönten Gutachten der Regierung Kohl. Dass die "Endlagersuche" der Bundesregierung "in die Tonne" gekloppt gehört, haben die Kölner heute jedenfalls deutlich zum Ausdruck gebracht.